Für Landeszentrale für politische Bildung

Die Harke  am Sonntag  berichtet am 12.06.2011

Rechtsanwalt und Bürgerrechtler Dr. Rolf Gössner referierte im Nienburger Kulturwerk

Ni­en­burg (D­H). Zum Tag des Grund­ge­set­zes sprach der Bre­mer Rechts­an­walt und Bür­ger­recht­ler Dr. Rolf Göss­ner auf ei­ner öf­fent­li­chen Ver­an­stal­tung im Ni­en­bur­ger Kul­tur­werk auf Ein­la­dung des Kreis­ver­ban­des der Lin­ken zum ak­tu­el­len The­ma: „­Grund­ge­setz und Ex­tre­mis­mus-De­batte – Ver­fas­sungs­schutz als De­mo­kra­tie-Lot­se?“

­Der Re­fe­rent, der auch Sach­ver­stän­di­ger in Ge­setz­ge­bungs­ver­fah­ren des Bun­des­tags und von Land­ta­gen so­wie Vi­ze­prä­si­dent der In­ter­na­tio­na­len Liga für Men­schen­rechte (Ber­lin) ist, kri­ti­sierte ins­be­son­dere die Ü­ber­nahme we­sent­li­cher Teile der po­li­ti­schen Bil­dung durch die 2009 ge­bil­dete neue Ab­tei­lung des In­lands­ge­heim­diens­tes Ver­fas­sungs­schutz, die „­Nie­der­säch­si­sche Ex­tre­mis­musprä­ven­ti­ons- und In­for­ma­ti­ons­stelle – NEIS“. Sie or­ga­ni­siere Öf­fent­lich­keits­kam­pa­gnen, Wan­deraus­stel­lun­gen und Schul­be­su­che und kürz­lich in der Heim­volks­hoch­schule Loc­cum die Aus­bil­dung Ju­gend­li­cher zu „­De­mo­kra­tie-Lot­sen“ ge­gen „Rechts­ex­tre­mis­mus, Links­ex­tre­mis­mus und is­la­mi­schen Fun­da­men­ta­lis­mus“.

­Diese von der CDU/FDP-ge­führ­ten Bun­des- und Lan­des­re­gie­rung ver­ord­nete Um­wid­mung der Pro­gramme ge­gen Frem­den­feind­lich­keit, Ras­sis­mus und rechte Ge­walt zu pau­scha­len „Anti-Ex­tre­mis­mus-Kam­pa­gnen“ ge­fährde die zi­vil­ge­sell­schaft­lich-de­mo­kra­ti­sche Kul­tur. Sie dif­fa­miere linke de­mo­kra­ti­sche Ge­sell­schaft­s­ent­würfe und Ka­pi­ta­lis­mus-Kri­tik, die nach dem Grund­ge­setz aus­drück­lich mög­lich sind (Ar­t.15 GG),­durch un­sach­gemäße Gleich­set­zung mit ras­sis­ti­schen Ge­wal­t­ideo­lo­gien. Sie ver­un­si­chere auch die mus­li­mi­sche Min­der­heit.

Darü­ber­hin­aus sei der Ex­tre­mis­mus-Be­griff grundsätz­lich ab­zu­leh­men, da er we­der im Grund­ge­setz noch in ent­spre­chen­den Ge­set­zen eine Le­gal­de­fi­ni­tion er­fahre und keine Ge­wal­t­ori­en­tie­rung vor­aus­set­ze, son­dern le­dig­lich Ideo­lo­gie­ver­dacht aus­spähe.

Dr. Göss­ner for­derte ab­sch­ließend - wie auch die an­sch­ließende Dis­kus­si­ons­runde- die Wie­der­eröff­nung der 2004 auf­gelös­ten Nie­der­säch­si­schen Lan­des­zen­trale für Po­li­ti­sche Bil­dung und zi­tierte die Uni­ver­sitäts-Prä­si­den­tin Prof. Ge­sine Schwan:

„­Der Prüf­stein für de­mo­kra­ti­sche Po­si­tio­nen liegt nicht in ei­nem schwam­mi­gen Ex­tre­mis­mus-Be­griff, son­dern in der An­er­ken­nung der Men­schen- und Bür­ger­rechte für alle und im Kampf ge­gen de­ren Un­ter­drü­ckung, rühre sie aus po­li­ti­scher oder aus ö­ko­no­mi­scher Macht.“

 

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